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Hortus für Eilige

HORTUS zum Kennenlernen für Gründliche

Etwa  seit  dem Beginn unseres Jahrhunderts vollzieht  sich  ein Umdenken  in  der  Gestaltung der Blumengärten.  Die  bis  dahin dominierenden  Teppichbeete wichen und weichen  zuerst  zaghaft, dann  - besonders  nach  dem Zweiten Weltkrieg    - arten- und  sortenreichen Staudenpflanzungen.  Zur  Erinnerung: Stauden sind mehrjährige krautige Pflanzen,  die im  Unterschied  zu  den Annuellen  (Einjährigen)   jedes  Jahr wiederkommen,  bis sich ihr Regenerationsvermögen erschöpft hat,  was unterschiedlich lange dauert;  Akelei stirbt oft schon  nach vier  Jahren,  Geißbart  zeigt  nach zwanzig  Jahren  noch  kein Nachlassen.

Welche   Vorteile   bieten  Staudenpflanzungen   gegenüber   der Anpflanzung von Annuellen?

- Zwar  ist der Quadratmeterpflanzpreis  bei  Staudenpflanzungen höher,  dafür brauchen sie erst nach Jahren erneuert zu werden.
- Bei   guter   Bodenvorbereitung  und  richtiger  Auswahl   des Pflanzmaterials ist der Pflegeaufwand bei Stauden geringer.
- Während  Annuellenpflanzungen oft eine ganze Saison lang einen prächtigen, aber ständig gleichen Anblick bieten,  e r l e b t der Gartenfreund  bei Staudenpflanzung den Fortschritt des Jahres am Gedeihen  und Vergehen seiner Gewächse. Von Woche zu Woche  bietet sich  ein  anderer Anblick,  blüht Neues auf,  steigt  auch  die Spannung,  wie sich Neuanschaffungen bewähren.

Kurz: Man hat die Möglichkeit,   mit seinem Garten zu leben  - und wenn man will,  sich nicht nur körperlich,  sondern auch geistig in  ihn  hineinzuknieen.  "Wer mit seinem Garten zufrieden  ist, verdient ihn nicht",  meint dazu KARL FOERSTER.
Was  aber  sollte,   kann  oder  muß  der  Inhalt   gedanklicher Beschäftigung mit der Staudenpflanzung des Gartens sein?
Das   Wesen   einer   Staudenpflanzung   (im   Unterschied   zum Teppichbeet) besteht doch darin,  daß verschiedene Sorten,  Arten und  Gattungen  nebeneinander stehen.  Aus diesem  Nebeneinander gilt es ein Miteinander zu machen,  indem die Pflanzen auf  eine für  das  Auge  erfreuliche Art und Weise sich ergänzen  und  in ihrer Wirkung steigern.

Wie das?
Grundsätzliches zu dieser Aufgabe lehrte KARL FOERSTER (1874-1970). Er  war der große Protagonist der hier skizzierten  Entwicklung,  Gartenästhetiker  mit  neuen Gedanken,   Philosoph und vor  allem Praktiker,   und  zwar  sowohl  Züchter  und  Sammler  als  auch Gärtner, Gartengestalter  und Händler.
FOERSTER  erkannte,   erprobte  und  vermittelte,  daß  die Farbwirkung einer Blütenpflanze gesteigert wird  durch die Farben,  die sie umgeben:  Das warme  Rot  einer Blume gewinnt an Leuchtkraft durch ein dazugeselltes Silbergrau.
Kommt noch reines Blau dazu,  ergibt sich ein Farbdreiklang, der unser Auge mit höchster Befriedigung erfüllt. Weitere besonders befriedigende Kombinationen sind:

Weiß,  Orange,  Hell- bis Mittelblau
Blaugrün,  Rotbraun,  Gelb
Rosa,  Weiß,  Dunkelviolett
Buntlaubig mit Gräserblau und Nelkenpolsterblau
Es leuchtet ein, daß jeder,  der solche Kombinationen realisieren will,  die BLÜHZEIT der Pflanzen genau kennen muß.
Neben  der  Farbe  spielt  die  Gestalt  der  zu  kombinierenden Stauden  und  Gehölze   eine  wichtige Rolle.  Es  sei  hier  an japanische   Gärten   erinnert,   die  mit  nur   sehr   wenigen Blütenpflanzen  auskommen  und  den  entscheidenden  Teil  ihrer Wirkung  aus der Flächenaufteilung,  aus Höhenunterschieden  und eben aus der unterschiedlichen Gestalt der eingesetzten Pflanzen beziehen:  ihrer  Höhe  und Breite,  ihres Umfangs, der Form  und Farbe  der  Blätter,  der Geometrie ihres  Umrisses.  Die  große wuchtige,   breit-erdverbunden   sich  lagernde  Gestalt   eines Chinesischen  Wacholders wird in ihrer Wirkung gesteigert  durch zart    himmelwärts    strebende,    anmutig    sich    neigende Gräsergestalten.

FOERSTER organisierte aus solchen Gründen den "Einzug der Gräser und Farne in die Gärten", was auch der Titel eines seiner Bücher ist.
Neben  Farbdreiklang und Gestalt sollte bei der Kombination  der Stauden auch der Blütenform Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Die  in  HORTUS enthaltenen Benachbarungsvorschläge  helfen  dem Nutzer,   für  seine  Stauden  Partner  zu  finden,   die  nach Blütenfarbe und Gestalt zu ihnen passen.  Diese Vorschläge  sind das  Ergebnis  jahrzehntelanger Beobachtung und Arbeit  mit  den Pflanzen;  dennoch  sollte man sie nicht als ein  Non-Plus-Ultra betrachten.  Es  gibt unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten, und was dem einen gefällt,  muß nicht unbedingt den Beifall eines anderen   finden.   Dennoch  ist  im  Blütengarten  Malchow   zu beobachten,  daß  an  manchen  Stellen der  Schritt  fast  aller Besucher  langsamer  wird  - ein  Zeichen,   daß  diese  Stellen allgemein als schön empfunden werden.  Es sind dies aber  gerade solche,  an  denen die nach unserem Gefühl besonders  gelungenen Kombinationen das Bild beherrschen.

Solche  Erkenntnisse bergen allerdings auch die Gefahr in sich, bei ihnen stehenzubleiben,  stets das einmal Geglückte zu wiederholen.  Das  Langeweilerezept  der öden Vorgärten  (Koniferen  + Rasen) hat nämlich durchaus ein Seitenstück in Staudengärten,  in denen  man  immer wieder den gleichen drei Dutzend  Pflanzen  in immer    gleichen    Kombinationen    begegnet.     Ist    dafür Phantasielosigkeit, Angst vor Neuem,  fehlende Risikobereitschaft oder fehlende Kenntnis der Vielfalt die Ursache?
Gartengestalter  und  Landschaftsgärtner  mögen's  sich   selbst beantworten  - und  wenn  sie Neuland  betreten  wollen,  HORTUS nutzen.

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Gestaltung: Matti Bargfried